Kann ich durch Fasten abnehmen?

Kann ich durch Fasten abnehmen?

Heute ist „schlank sein“ zeitgemĂ€ĂŸ und das Schönheitsideal schlechthin. Die Wissenschaft, vertreten durch Ärzte und ErnĂ€hrungsfachleute, aber auch die Naturmedizin, sind einhellig der Auffassung, dass ÜberernĂ€hrung gesundheitlich negative Auswirkungen aufweist. Schlank sein verbindet heute mehr als die reine körperliche Beschaffenheit. Es ist auch Symbol fĂŒr Erfolg, Fitness, Beweglichkeit, Leistung und Gesundheit und Ästhetik. Schlank und gesund sein ist moralisch positiv besetzt. Es verkörpert Disziplin, WillensstĂ€rke und Selbstkontrolle. Der Druck zur FĂŒhrung eines gesunden Lebensstiles nimmt also zu. „Gesund“ zu leben, was immer das auch heißt, wird zur ist Verpflichtung, Krankheit zur moralischen Verfehlung.
Was schön ist und wie ein gesunder Körper beschaffen sein soll, wird weitgehend von den kulturellen Vorstellungen bestimmt. In Mangelwirtschaften bedeutet KörperfĂŒlle Wohlhabenheit und Macht, wĂ€hrend dies in den Industriegesellschaften Ausdruck eines ungezĂŒgelten, ungesunden Lebensstiles ist. Es wird von uns verlangt und geworben, dass wir konsumieren damit das wirtschaftliche Wachstum sichern, andererseits wird auch zur MĂ€ĂŸigung und zum Verzicht gemahnt.


one must consume and stay thin at the same time. The omnipresent command, ‘Eat’! is contered by the moral imperative to control eating. Indeed, food becomes a central metaphor for our dilemma.” (
wir sollen konsumieren und gleichzeitig schlank bleiben. Einerseits wird ĂŒberall aufgefordert: „Iss“! [konsumiere!], andererseits wird Eigenkontrolle und SelbstbeschrĂ€nkung moralisch eingeklagt. Das Essen ist somit eine Metapher fĂŒr das Dilemma, in dem der Konsummensch steckt (Crawford).

Fasten kommt hier eine besondere Bedeutung zu. Es steht außerhalb dieses Widerspruchs, weil es das Konsumieren ganz außen vor lĂ€sst aber auch kein Produkt der Schlankheits- und Wellness-Industrie ist. Es ist zugleich positiv besetzt durch den Gedanken des Verzichts, der RĂŒckbesinnung und Entgiftung, andererseits ist es von der Schulmedizin und der Schlankheitsindustrie nicht vollstĂ€ndig anerkannt. Es ist nicht eindeutig „gesund“ und „richtig“, gilt aber als moralisch glaubwĂŒrdig, traditionell, in der Praxis geprĂŒft. Hier kann man WillensstĂ€rke, SelbstĂŒberwindung und Anstrengung zum Beweis stellen, einen temporĂ€ren Ausstieg finden und sich mit den dominanten kulturellen Werten versöhnen. „Dem entbehrungsreichen Verzicht steht keine ungehemmte Befriedigung gegenĂŒber, sondern Entspannung wird durch einen Ausstieg aus den alltĂ€glichen BedĂŒrfnissen erreicht, primĂ€r aus dem EssensbedĂŒrfnis
 [Es] tritt ein angenehmer, temporĂ€rer Zustand der ‚BedĂŒrfnislosigkeit’ ein.“ (Herzog)

Willy Ehrlich, 24.10. 2019 15:28:
Ich habe in der letzten Woche von Sonntag Morgen bis zum Freitag Abend gefastet. Dass ich dabei 6kg abgenommen habe, betrachte ich als Kollateralschaden.

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